Zusammenleben bei Bedarf

Gemeinschaft darf sich in Wellenbewegungen entwickeln. Es ist eine Illusion, dass in einem Wohnprojekt – in anderen Projekten oder in unserem – alle Mitbewohner dicke Freunde sind oder sein müssen. Sie wohnen gemeinsam unter einem Dach, sie treffen sich mitunter täglich, sie organisieren ihr Projekt. Vielleicht nimmt sich die Gemeinschaft sogar eine soziale Aufgabe vor, bietet Unterstützung für lernschwache Schüler, einen Treffpunkt im Viertel, Vorlesestunden für die Kleinen oder eine Anlaufstelle für einsame Mitmenschen.

Ganz normal ist es aber auch, sich zeitweilig in der Gemeinschaft distanzierter zu verhalten. Sich zurückzunehmen, weniger Gruppenangebote zu machen oder selbst wahrzunehmen. Eine Gemeinschaft kann sich mal enger, mal lockerer zusammenfinden. Niemand soll im Wohnprojekt in die Gemeinschaft gezwungen werden. Dennoch bleibt in einem Haus, das wie unseres die Gemeinschaft architektonisch vorsieht und einplant, ein großer Vorteil: Man trifft sich zwanglos und zufällig im Gemeinschaftsraum oder auf der Terrasse – oder man zieht sich in seine Wohnung zurück. Man kommt ins Gespräch – oder man lässt es bleiben.

In üblichen Mehrparteienhäusern trifft man sich eher zufällig an der Mülltonne oder am Briefkasten. Im Wohnprojekt gibt es mehr Gelegenheit – Bewohner treffen sich unkompliziert, ohne ausdrückliche  Verabredung oder Planung. Sie laufen sich über den Weg und können Zeit miteinander verbringen. Wenn sie gerade mögen.