Bild: Holtel

Zeit satt

In den Anfängen von GemeinsamWohnen HHH haben wir ein Ehepaar kennengelernt, Mitte 70, das sich seine Zukunft so vorstellte: Der Enkel ist erst 9 Jahre alt und genießt die Besuche bei Oma und Opa, im Einfamilienhaus mit eigenem Garten. Wenn der mal groß ist, können wir uns gut vorstellen, umzuziehen.

Über den richtigen Zeitpunkt, ein Einfamilienhaus zu verlassen, denken viele ähnlich: Das kann ich dann machen, wenn ich Haus und Garten nicht mehr bewältigen kann. Bis dahin ist noch Zeit satt. Dieser tröstliche Gedanke schützt vor der Zumutung, jetzt eine Veränderung anzugehen. Daran krankt manchmal die Diskussion über das Wohnen im Gemeinschaftshaus.

Was in dieser Überlegung fehlt: Das Gemeinschaftsprojekt muss nicht nur mir zusagen. Nein, ich muss auch der Gemeinschaft zusagen. Wer wartet, bis er alt und klapprig ist, wird sich deutlich schwerer tun, die Gemeinschaft zu bereichern, wertvoll zu ergänzen und für seinen Beitritt zu begeistern – mit Lebensfreude, Kreativität, Engagement, Fertigkeiten. Alle Bewohner möchten sich einbringen, möchten Gemeinschaft pflegen, werden vermutlich auch Unterstützung leisten, wenn andere nicht mehr können wie früher. Sie werden es sich aber nicht zumuten, jemanden ausschließlich als Kostgänger dieser wertvollen Ressourcen aufzunehmen. Wer Haus und Garten nicht mehr bewältigt, wird eher in eine normale Mietwohnung wechseln. Oder direkt ins Altenheim.