Da sitzt es sich gut: Mein Schaukelstuhl. Im Wohnzimmer. Blick in den Garten. Ein Tischchen für die Kaffeetasse an der Seite. Ein kleiner Radiolautsprecher in der Nähe. Die Zeitung vor der Nase. Vor gar nicht so langer Zeit hat dieser alte Schaukelstuhl seinen Platz gefunden und lädt täglich zum Verweilen ein.
Seit er dort steht, hat er noch niemanden gestört. Einzige Reaktion der Kinder: O weh! Wo steht jetzt der Weihnachtsbaum? Denn für den war dieser Platz im Wohnzimmer immer vorgesehen. Das wird das kleinste Problem sein, für ein paar Wochen in der Weihnachtszeit kann der Stuhl nun dem jahreszeitlichen Wohnzimmerbewohner weichen.
Doch eine andere Überlegung drängt sich auf: Wozu hat dieser Platz in unserem Wohnzimmer eigentlich zwei Jahrzehnte lang gedient? Hätten wir ohne diese zwei Quadratmeter Wohnzimmer eine Einschränkung gehabt? Klar, große, weite Räume – das hat was, das ist gediegen. Aber wirklich notwendig? Wenn sich ein neues Möbelstück dort abstellen lässt, ohne dass ich täglich darüber stolpere oder drum herum eiern muss, sollte man meinen, dieser Platz ist verzichtbar.
Heute haben diese zwei Quadratmeter Wohnzimmer ihren Sinn gefunden. Das tägliche, leichte Schaukeln ist zur lieben Gewohnheit geworden. Aber sicher lassen sich etliche andere Quadratmeter in der Wohnung finden, auf die wir leichten Herzens verzichten könnten. Sicher wohnen wir immer noch zu groß. Es geht nicht um Einschränkung und Verlust, sondern nur darum, Unnötiges abzuwerfen. Zumal ein Gemeinschaftsbereich im Wohnprojekt fast immer zugänglich ist, großzügig Raum bietet. Noch dazu hat er den Mehrwert, sich dort mit anderen vernetzen zu können.
Oder wie es Architektin Petra Diesing bei Tom Voss im Podcast Wohnprojekte im Gespräch sagt [ca. bei 45:30 min]: Was auf jeden Fall hilft, das sind diese Hebel, auf Quadratmeter zu verzichten – nicht in dem Sinne: jetzt fehlt mir etwas – dass man Angebote in gemeinschaftlichen Flächen hat. Dass man das Prinzip Teilen statt Besitzen lebt. Das kann aus einem Weniger an Fläche ein Mehr an Wohnqualität machen und noch dazu Kosten und Ressourcen sparen.

