Deutschland schrumpft

Viele Menschen sprechen in den letzten Jahren über Tiny houses. Das ist ein neues Modell von schönem Wohnen: Hier zählt nicht die große, weite Fläche, der maximale Abstand zum Nachbarn und seinen Geräuschen und Gerüchen. Dieses andere, neue Ideal stellt den nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen Baustoff und Wohnraum in den Vordergrund.

Gerhard Matzig, Architekturfeuilletonist der Süddeutschen Zeitung, beschreibt es so:. „Die Deutschen leben schon lange – im Durchschnitt – auf zu großem Fuß. Der insgesamt maßlose Raumhunger ist eine Schubkraft der Wohnungsnot.“ Seit 1965 wohne man in Deutschland auf 25 Quadratmetern mehr Raum. 94 statt 69 Quadratmeter für zwei Personen. „Endlich auf Diät“ betitelte er infolgedessen einen Beitrag im Januar.

Der Trend dreht sich möglicherweise, erstmals seit 150 Jahren ist nun die durchschnittliche Wohnfläche pro Person gesunken. „Kleinere, gut geschnittene und energieeffiziente Wohnungen werden die zentrale Wohnform der Zukunft sein – und sie sind ein Schlüssel, um den großen Energiebedarf des Gebäudesektors zu senken.“ In seinem Fazit betont Matzig aber weniger den ökologischen als den sozialen Effekt – schlechte Beispiele von Architektur zeigten reichlich, „wie trostlos das Wohnen einsamer Menschen in viel zu großen Behausungen ist. … Das Wohnen entscheidet sich nicht an der Quantität, sondern an der Qualität der Räume.“ Na, wenn er uns damit nicht aus dem Herzen spricht.